Breivik in Brüssel? 

Klaus Madersbacher, antikrieg.com

 

Angesichts der vorsätzlichen eiskalten Zerstörung des friedlichen Landes Libyen durch so genannte zivilisierte Länder des Westens fällt mir gerade ein, dass der böse Anders Breivik eigentlich auch sehr zivilisiert dreinschaut – als könne er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Wie gefährlich und grimmig wirken dagegen diejenigen, welche man uns als Terroristen präsentiert, die wir – das heißt in unserem demokratischen Auftrag die NATO - umbringen müssen, damit sie nicht gegen uns – oder gegen ihre eigene Bevölkerung - losgehen. 

 

Da fällt mir noch SS-Chef Himmler ein, der nach einer „Aktion“ angesichts von hunderten oder tausenden Leichen – damals war es slawisches oder jüdisches „Ungeziefer“ – sinngemäß sagte, dass die wenigsten verstehen werden, wie wichtig diese „Arbeit“ ist. Diese wichtige Aufgabe erfüllt zu haben und dabei anständig geblieben zu sein, sei das ewige Verdienst der SS-Männer, obwohl man die Öffentlichkeit darüber nicht informieren dürfe.

 

Es ist natürlich etwas anderes, ob man norwegische Jugendliche abknallt, oder slawische und jüdische Untermenschen, oder ob man aus unerreichbarer Höhe Bomben auf afghanische, irakische oder libysche Städte und Orte abwirft. Oder aus ferngesteuerten unbemannten Flugzeugen (Drohnen) Menschen mit Hellfire-Raketen verbrennt, per Joystick, aus noch unerreichbarerer Ferne. Oder ganze Landstriche mit Uranstaub vergiftet usw.

 

Wie bekannt wurde, hat Kreuzritter Breivik selbst die Polizei angerufen. Dass diese wie weiland die Keystone Cops die große Lachnummer abziehen musste – das Lachen blieb allerdings im Halse stecken -, statt ihren jungen Landsleuten zu Hilfe zu kommen, spricht Bände. Vor lauter „Sicherheitsdenken“ hat die Dummheit wohl auch in Norwegen das Regiment übernommen. Wer Kriegsflugzeuge nach Afghanistan und Libyen schickt, hat wichtigeres im Kopf als das zivilisierte Zusammenleben von Menschen.   

 

Es gibt Menschen, für die das Leben anderer Menschen nichts zählt. Die sitzen zum Beispiel im Weißen Haus und in diversen Regierungen, die sich diesem als Handlanger zur Verfügung stellen, im Pentagon und in der NATO-Zentrale, in irgendwelchen Mafiaanwesen und wo sich sonst noch Menschen befinden, denen Hab und Gut über alles geht und die die entsprechenden Befehle veranlassen, erteilen bzw. ausführen. Das ist alles nicht neu, und es ist sehr schlimm, dass diese moralischen Kretins noch immer so viel zu reden haben.

 

Nun stellen sich die ehrenwerten Bewohner des Weißen Hauses, der Regierungspaläste der Handlangerstaaten, die diversen HiWis in den NATO- und anderen Hauptquartieren nicht vor die Öffentlichkeit hin und geben bekannt, dass der böse Gaddafi dabei ist, ihren alteingesessenen Schmarotzersystemen den Geldhahn abzudrehen, und dass sie das nicht zulassen wollen, weil sie eh schon so große Schulden haben und jede Milliarde dringend benötigen.

 

Erstens wissen das die wenigsten Bewohner der freien Welt – woher soll man´s denn auch wissen? – und zweitens könnte in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, dass er eigentlich recht hat, der Gaddafi, mit dem man ja übrigens bis vor kurzem sehr gut gestanden sei und zu dem man beste Beziehungen unterhalten habe, siehe die Fotos von Obama und Gaddafi, Sarkozy und Gaddafi, Blair und Gaddafi, Berlusconi und Gaddafi usw., damals noch „Revolutionsführer Gaddafi“ oder „Oberst Gaddafi“, auf denen Hände geschüttelt und freundliche Blicke ausgetauscht werden oder so getan wird. 

 

Wie es dazu gekommen ist, dass im Gefolge der friedlichen Protestbewegungen im arabischen Raum in Libyen plötzlich Gruppen von Bewaffneten aufgetaucht und woher sie gekommen sind, wird sich herausstellen. Dass der Westen sofort sein Herz für diese „Rebellen“ oder gar „Revolutionäre“ – wie süß, die NATO mag Revolutionäre - entdeckt hat und auf diese „demokratische Bewegung“ voll abgefahren ist, konnte/kann man in jeder Zeitung lesen und ist allen Konsumenten der Massenmedien bestens bekannt. Was da alles im UN-Sicherheitsrat usw. gelaufen ist, welcher Rechtsverdrehungen und Propagandatricks es bedurfte, um die „Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrats“ durchzupeitschen, darüber können Sie sich im Archiv dieser Website informieren, die diesbezüglich nur wenige Fragen offen lässt. 

 

Tatsache ist jedenfalls, dass der Westen in völliger Missachtung jeglichen Internationalen Rechts jetzt eine Regierung anerkennt, deren einzige Legitimität darin besteht, dass sie Washington und dessen HiWis besser passt als Gaddafi (Wie das mit dem Spruch ist, dass „der Imperialismus keine Freunde, sondern Opfer braucht,“ werden die neuen Freunde sicher schon bald herausfinden). Das alles ist nicht neu, und wir brauchen nur nach Jugoslawien zu blicken, wo der Präzedenzfall durchexerziert wurde und immer noch wird (s. Archiv).  

 

Die Obamas, Camerons, Sarkozys hatten mehr oder weniger ein einziges Argument, mit dem sie sich vor die Öffentlichkeit gestellt haben, nämlich dass sie „alles tun, um die libysche Zivilbevölkerung vor Gaddafi zu schützen.“ Der Friedensnobelpreisträger hielt sich betont zurück und ließ seine Hampelmänner Cameron, Sarkozy und Berlusconi ordentlich herumtoben. Diejenigen, die nicht wissen, dass die NATO unter dem Kommando ausschließlich der Vereinigten Staaten von Amerika steht und dass die europäischen und kanadischen Hiwis nichts zu sagen haben (außer Jawoll); und die Medienleute, die sich für das Propagandageheul hergeben, hat dieses Theater wohl beeindruckt – endlich waren es einmal nicht die Amerikaner, die schon wieder gegen die Moslems losgehen, sondern die zivilisierten Europäer :-)

 

Die gleichgeschalteten Massenmedien des Westens einschließlich der so genannten „Qualitätsmedien“ beten unisono den Unsinn vom „Schutz der Zivilbevölkerung“ nach. Wie kann jemand, der einigermaßen bei Verstand ist, annehmen, dass tausende Luftangriffe dem „Schutz der Zivilbevölkerung dienen“? Libysche Soldaten dürfen getötet werden um „die Zivilbevölkerung zu schützen“? Alle? Libysche Infrastruktur, Einrichtungen, die die Menschen in Libyen aufgebaut haben, dürfen zerstört werden, um „die Zivilbevölkerung zu schützen“? Kein Waffenstillstand, weil „die Zivilbevölkerung geschützt werden muss“?

 

Wer das glaubt und befürwortet, der kann nicht dicht sein. Allein die Tatsache, dass mit solchen „Argumenten“ gearbeitet werden kann, dass man damit nicht ausgelacht wird und höchstens ganz zaghaft ein paar harmlose Fragen von Pressevertretern gestellt werden, weist auf einen geistigen und kulturellen Verfall hin, der den Tiefststand erreicht hat, widerspiegelt eine verrohte barbarische Gesellschaft, die selbst die Hoffnung aufgegeben und sich von der Zukunft verabschiedet hat.

 

Leute wie der Kreuzritter Breivik gehören natürlich einsperrt und „aus dem Verkehr gezogen“. Die anderen Kreuzritter hingegen, die hochgerüsteten und noch viel gewissenloseren, die Feiglinge, die aus unerreichbarer Höhe Länder zerstören und Menschen töten lassen, die dürfen sich vor uns hinstellen und uns die Welt erklären? Und wir nehmen das einfach zur Kenntnis? Fürchten uns brav und sind froh, dass sie für „unsere Sicherheit“ sorgen? 

 

Wir täten gut daran, das eigene Hirn zu aktivieren und uns darum zu kümmern, wo wir eigentlich umgehen und ob wir das wirklich wollen. „NUR TOTE FISCHE SCHWIMMEN MIT DEM STROM“ lautet ein ziemlich gescheites Sprichwort. Immer öfter habe ich den Eindruck, als seien wir gerade noch lebendig, aber wie lange noch?